Die Gemeinschaftsschule wird im kommenden Schuljahr nach einer Zunahme der Schülerzahlen um 75 Prozent die drittgrößte Schulart im Land sein. Dies ergeben die aktuellen Anmeldezahlen an allen 209 öffentlichen Gemeinschaftsschulen. Danach sind 10.057 Mädchen und Jungen für die fünften Klassen der neuen Schulart angemeldet worden, nachdem die Eltern zum laufenden Schuljahr 5.738 Schülerinnen und Schüler angemeldet hatten. „Wir können zufrieden sein mit dieser Entwicklung, auch wenn es bei den Anmeldezahlen für die einzelnen Schulen weitere Verbesserungen geben muss“, erklärte Kultusminister Andreas Stoch.
Anmeldezahlen 2014/15: Gemeinschaftsschule nach Schülerzahlen drittgrößte Schulart im Land
Kommunalpolitik
„Diese positive Entwicklung belegt das Vertrauen, das die Eltern in die neue Schulart haben. Sie zeigt auch, dass die Gemeinschaftsschule Antworten geben kann auf die drängenden Probleme, die wir seit einigen Jahren in der Schullandschaft haben. Die regionale Schulentwicklung wird dazu beitragen, die Entwicklung dieser Schulart weiter zu stabilisieren.“
Die Tendenz ist bei einzelnen Standorten unterschiedlich. Unter den Gemeinschaftsschulen der ersten beiden Tranchen des vergangenen und des laufenden Schuljahres haben 85 bei den Eingangsklassen zugelegt, bei 42 sind die Zahlen gesunken, bei einer Schule gleich geblieben. Dabei gab es bei 21 Schulen der ersten Tranche eine gleichstarke Zunahme bei 21 eine Abnahme. Die Rückgänge können insbesondere eine Folge der großen Zahl neuer Gemeinschaftsschulen sein, da die Schulverwaltung jetzt Schüler in neue Schulen umlenken kann.
Die Schulen der ersten Tranche können so wieder ihre ursprüngliche Zügigkeit erreichen. Das zeigt sich etwa an Korb bei Stuttgart. Die Zahl der Anmeldungen ist hier zwar von 82 auf 61 gesunken. Korb ist aber ein Beispiel dafür, dass viele Eltern ihre Kinder an neu entstandenen Gemeinschaftsschulen in der Umgebung bestehender Einrichtungen angemeldet haben.
Insgesamt konnten die 41 öffentlichen Gemeinschaftsschulen der ersten Tranche ihre hohen Schülerzahlen in den Eingangsklassen zumeist halten, etwa die Gebhardschule in Konstanz mit 139, die Geschwister-Scholl-Schule Tübingen mit 109 und die Schule in Karlsruhe-Grötzingen mit 76 Schülerinnen und Schülern.
In der zweiten Tranche, die in diesem Schuljahr gestartet ist, haben die weitaus meisten Schulen bei den Anmeldezahlen zugelegt. Die stärkste Zunahme gab es in Aldingen (+ 55 Schüler), Weil im Schönbuch (+35) und Schwieberdingen (+35). Unter den Schulen des dritten Jahrgangs, die im Schuljahr 2014/2015 starten, fallen besonders hohe Anmeldezahlen auf, etwa in Schwetzingen (98), Stuttgart-Möhringen (86), Friedrichshafen (88) und Reutlingen (75). Die frühere Kritik der Opposition, Gemeinschaftsschulen gebe es nur in kleineren Städten, wird hier deutlich widerlegt.
Nur knapp 13 Prozent aller Gemeinschaftsschulen weisen eine Einzügigkeit in der fünften Klasse mit 28 oder weniger Schülern auf. Das Kultusministerium erwartet aber, dass viele dieser Schulen bis zu den Sommerferien nochmals zulegen können, wie es auch im vergangenen Jahr der Fall gewesen ist. Darüber hinaus wurde die Prognose auf mittel- und langfristige Entwicklungen hin ausgerichtet.
Die Zahlen verdeutlichen, dass die Entwicklung der Schulen abhängig ist von der jeweiligen Situation vor Ort, erklärte Stoch. Es gehe darum, welches Ansehen die Schule unter den Eltern genieße, welche Angebote es an der Schule gebe, wie die Verkehrsverbindungen ausfielen, welche anderen Schulen in der Nähe zu erreichen seien.
Welche große Bedeutung auch die Umsetzung des pädagogischen Konzepts an Gemeinschaftsschulen hat, zeige sich an Standortbeispielen wie Salem oder Marbach am Neckar. Hier konnten sich Gemeinschaftsschulen neben bestehenden Realschulen etablieren.
Die 12 Gemeinschaftsschulen, die in der dritten Tranche aus früheren Realschulen entstanden sind, verzeichnen eine besonders positive Entwicklung. Vier dieser Schulen sind mit einer hohen Anmeldezahl vierzügig.
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