Mit Blick auf den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar hat Bilkay Öney, Ministerin für Integration, heute darum geworben, „Migrantinnen und Migranten für das dunkelste Kapitel unserer Geschichte zu sensibilisieren. Da aber Migranten den Holocaust häufig aus einer anderen Perspektive betrachten als Deutsche, muss die Aufklärungsarbeit über Judenfeindlichkeit diesen Umstand stärker berücksichtigen“. Die Ministerin fügte hinzu: „Antisemitismus ist kein Randphänomen, sondern nach Einschätzung von Experten bis in die Mitte der Gesellschaft hinein verankert.“
Bilkay Öney: Migrantinnen und Migranten für das dunkelste Kapitel unserer Geschichte sensibilisieren
Landespolitik
Integrationsministerin Öney wirbt für eine verstärkte Präventionsarbeit, auch innerhalb von Migranten-Communities. „Wir müssen weg von einem Opferkonkurrenz-Denken, hin zu Bündnissen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“, so Öney. Diese müssten breit in der Bürgergesellschaft aufgestellt sein und möglichst viele Gruppen, Vereine, Schulen und Glaubensrichtungen einbeziehen. Die Ministerin lobte die vielen kommunalen Initiativen, die sich gegen Diskriminierung und Rassismus wenden.
Studien belegen, dass es etwa bei einem Fünftel der Bevölkerung einen latenten Antisemitismus gibt. In einem Bericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2011 heißt es dazu: Die judenfeindlichen Einstellungen basierten auf weitverbreiteten Vorurteilen, tiefverwurzelten Klischees oder auf schlichtem Unwissen über Juden und Judentum. In diesem Bericht heißt es weiter, dass Antisemitismus unter Migrantinnen und Migranten in erster Linie ein Problem des Bildungsniveaus und der Milieuzugehörigkeit sei. Antisemitismus biete gerade für Jugendliche, die eigene Diskriminierungserfahrungen kompensieren wollten, einfache Erklärungen für komplexe wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Sachverhalte.
Ein Beispiel für gute pädagogische Arbeit ist das vom Ministerium für Integration geförderte Projekt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Dieses Netzwerk bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten und gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt vorzugehen. Mittlerweile gehören dem Netzwerk bundesweit über 1.000 Schulen an, in Baden-Württemberg sind es über 90 Schulen. Eine weitere Initiative, die vom Integrationsministerium gefördert wird, ist das Projekt „Instant Acts - gegen Gewalt und Rassismus“. Zusammen mit internationalen Künstlern studieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Bühnenshow mit Akrobatik, Tanz und Life-Musik zum Thema Gewalt und Rassismus ein. Dabei lernen sie den Umgang mit kultureller, ethnischer und religiöser Vielfalt.
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