Podiumsdiskussion "Weltoffenes Baden-Württemberg - 60 Jahre gelebte Vielfalt" in der Berliner Landesvertretung
Ministerin Öney und Minister Friedrich: "Integrationspolitik ist Zukunftspolitik"
Landespolitik
60 Jahre Baden-Württemberg bedeuten auch sechs Jahrzehnte Migrations- und Integrationsgeschichte. Mit einem Anteil von 26 Prozent leben in keinem anderen Flächenland so viele Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte wie im Südwesten. Die Vielfalt der Bürgerinnen und Bürger hat wesentlich zum Erfolg des Landes beigetragen. Baden-Württemberg ist wirtschaftsstarker Motor im Herzen Europas. "Flüchtlinge und Vertriebene der Nachkriegszeit, Arbeitsmigranten, Spätausgesiedelte und Asylbewerber - sie alle sind Teil des Landes", sagte Bilkay Öney, Ministerin für Integration, heute (26. Juni) anlässlich der Jubiläumsveranstaltung "Weltoffenes Baden-Württemberg - 60 Jahre gelebte Vielfalt" in der Landesvertretung in Berlin. Etwa 200 geladene Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur waren der Einladung der Integrationsministerin und des Ministers für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, Peter Friedrich, gefolgt.
"Der Erfolg unseres Landes ist ohne internationalen Austausch nicht denkbar. Das gilt nicht nur für Waren, Dienstleistungen, sondern auch für die Kultur in all ihren Facetten. Gelebte Migration und Integration sind eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Baden-Württemberg ist weltoffen, nach innen und nach außen, das ist nachhaltige Zukunftspolitik", sagte Peter Friedrich.
Im Mittelpunkt des Abends stand eine Podiumsdiskussion mit dem Literaturwissenschaftler Professor Jürgen Wertheimer von der Universität Tübingen, dem Journalisten, Wissenschaftler und Autor Dr. Mark Terkessidis sowie dem Mannheimer Filmemacher Philipp Kohl. Wie gelingt Integration? Was macht Integration aus? Was können die Menschen, was die Politik beitragen? Diese und ähnliche Fragen griff die Runde auf.
Professor Wertheimer, der sich in seiner Arbeit auch dem Dialog um Werte einer Gesellschaft widmet, sagte: "Wichtig ist auch die Fähigkeit, gegen den Strom der Normierung anzuschwimmen. Frei nach Hölderlin: Das Eigene will gelernt sein wie das Fremde. Denn nur wer sich selbst kennt, kann auf kreative Weise zum Gelingen des Ganzen beitragen." Philipp Kohl, der in Mannheim lebt, beobachtet als Filmemacher die Viertel seiner Stadt und setzt sich in seinen Projekten mit Begriffen wie Identität und Heimat auseinander: "Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass Nationalstaaten Orte der gelebten Heimat sind. Städte wie Mannheim oder Stadtteile wie Mannheim-Jungbusch sind seit Jahrhunderten Paradebeispiele für Räume, in denen Menschen aus unterschiedlichen Ländern und mit verschiedensten kulturellen Prägungen eine gemeinsame Heimat finden." Die identitätsstiftende Wirkung von Städten werde gemeinhin unterschätzt. Mark Terkessidis hinterfragt den Integrationsbegriff kritisch. Er plädiert für eine radikale interkulturelle Öffnung. Nur so könnten die Potenziale einer vielfältigen Gesellschaft fruchtbar gemacht werden.
Und wie sehen die Baden-Württemberger die Integration im Südwesten? Sie stellen dem Miteinander von Einheimischen und Zuwanderern ein gutes Zeugnis aus. In einer Studie, die das Ministerium für Integration kürzlich vorstellte, gaben über zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) an, überwiegend gute Erfahrungen mit Zuwanderern gemacht zu haben. Eine große Mehrheit (88 Prozent) stimmt der Aussage zu, Deutschland ist ein Einwanderungsland. Die Bevölkerung hat hohe Erwartungen an die Zuwanderer, aber auch an sich selbst. Die Baden-Württemberger schätzen die kulturelle Vielfalt (80 Prozent) und verschließen auch nicht die Augen vor Diskriminierung - vor allem bei der Wohnungssuche oder auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt.
Die grün-rote Landesregierung begreift Integrationspolitik als Zukunftspolitik. "Es geht um Chancengerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe. Es geht um die Erschließung der Potenziale von nahezu drei Millionen Menschen mit Migrationshintergrund für Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung. Es geht um Wertschätzung der Leistung und Leistungsbereitschaft dieser Menschen für unsere Gesellschaft", so Öney und Friedrich.
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Veröffentlicht am 26.06.2012
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